Badisches Staatstheater Karlsruhe

Schauspiel
Wiederaufnahme am 23.10.2010, INSEL
WAS DER BUTLER SAH
von Joe Orton
Deutsch von René Pollesch
Christian Schulz, Hannes Fischer, Teresa Trauth
Foto: Jochen Klenk

Regie: Robin Telfer

Nach der Uraufführung von "What the butler saw" im März 1969 in London wurde das Stück von den Kritikern sowohl als "Comedy" als auch "Farce" bezeichnet. Wahrscheinlich sind beide Gattungsbegriffe richtig. Was wie eine konventionelle Komödie beginnt, gespickt mit trockenem, schwarzen, englischen Humor verdichtet sich zunehmend zu einer Farce, die nichts mehr ernst nimmt, am wenigsten die Gesetze der Komödie.
Wir befinden uns in der Privatklinik von Dr. Prentice, und was wir sehen, lässt sich am ehesten, wie der Titel schon vermuten lässt, als "Beobachtungen durch das Schlüsselloch" beschreiben. Geraldine sucht einen neuen Job und bewirbt sich als Sekretärin in der Klinik. Auf die umfassende Examination durch den Doktor war sie allerdings nicht gefasst. Doch auch der Doktor ist nicht vor unliebsamen Zwischenfällen geschützt. Es entwickelt sich ein unbeschreibliches Furioso, eine atemberaubende Jagd von sechs Figuren nach passenden Kleidungsstücken, passenden Ausreden, der passenden Identität. Mit grotesker Komik wird jegliche Logik auf den Kopf gestellt. Keine weiß mehr, wer im Schrank versteckt ist, wer verrückt ist. Jede Lüge ist wahrer, als das, was uns endlich als Wahrheit verkauft wird. "Orton hätte wohl selbst die Heide-Szene in König Lear zur Farce verwandeln können, ohne deren tragische Untertöne zu mildern." (Financial Times)

Joe Orton (1933-1967) bricht mit 15 die Schule ab und besucht von 1951 bis 1953 die Royal Academy of Dramatic Art, um Schauspieler zu werden. Er arbeitet kurzfristig am Theater, bevor er mit seinem Lebensgefährten Kenneth Halliwell beginnt, Romane zu schreiben, die jedoch nicht veröffentlicht werden. Wegen obszöner Verunstaltung städtischer Leihbücher werden beide 1962 zu sechs Monaten Haft verurteilt. Sein Debütstück "Seid nett zu Mr. Sloane" wird 1964 ein weltweiter Erfolg und auch verfilmt. Für sein Stück "Beute" erhält er mehrere bedeutende englische Preise. Orton wird 1967 von Halliwell ermordet. 1987 verfilmt Stephen Frears Ortons Leben unter dem Titel "Prick up your Ears".


 
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