Badisches Staatstheater Karlsruhe

Schauspiel
Wiederaufnahme am 24.10.2010, SCHAUSPIELHAUS
FAUST
Gelehrter, Ökonom, Kolonist. Seine ganze Geschichte. Von Johann Wolfgang von Goethe
unten: Timo Tank, oben: Georg Krause
Foto: Jochen Klenk

Regie: Thomas Krupa

Professor Doktor Heinrich Faust, Philosoph, Jurist, Arzt und Theologe, ist bei all seinen Studien nicht ins Wesen des Seins, ins Zentrum des Sinns vorgedrungen. Trotz allen theoretischen Wissens, trotz aller gelernter Fakten, verlangt ihn nach dem Wissen „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Da ihm die Religion keine Antwort gibt, versucht er sich in der Magie. Und tatsächlich erscheint ein Vertreter der dunklen Seite, nennt sich Mephisto und gibt sich als Teufel aus. Mit ihm zieht es Faust hinaus ins Freie, aus der Studierstube ins pralle Leben. Der Teufel zeigt ihm die Welt und er verlangt Fausts Seele, wenn er ihm den perfekten Augenblick schaffen sollte. Falls der Gelehrte zu einem Augenblick sagen würde „Verweile doch, du bist zu schön“, ist es um ihn geschehen.Nun folgen Nächte mit trunkenen Burschenschaftlern in Auerbachs Keller, Orgien auf dem Blocksberg und die Liebesgeschichte mit dem Bürgermädchen Margarethe. Am Ende sind dieses Mädchen, ihre Mutter, ihr Bruder und das gemeinsame Kind tot. Aber Faust zieht weiter, in die Welt, ins Leben „Hinaus, hinaus ...“Im zweiten Teil der Tragödie wird die Welt viel weiter, aus der mittelalterlichen Gelehrtenstube geht die Reise an den Kaiserhof, ins antike Arkadien. Dort trifft Faust die Inkarnation der Weiblichkeit, Helena von Troja. Doch auch hier ist kein Halten, es treibt ihn zum Dammbau, um dem Meer neues Land abzuringen, Kolonien zu gründen, die alte Welt zu vernichten. Doch Gott hat ein Einsehen und Faust wird gerettet, der Teufel ist wieder einmal betrogen. „Bei wem soll ich mich nun beklagen? / Wer schafft mir mein erworbenes Recht?“ Die Mater Gloriosa erscheint, „ ... das Ewig-Weibliche / zieht uns hinan.“

Goethes Beschäftigung mit dem Faust-Stoff, vom „Urfaust“ des Sturm und Drang bis zur Vollendung des „Faust, der Tragödie zweiter Teil“ erstreckt sich von 1773 bis 1831, ein Lebenswerk, sowohl für den Dichter, als auch für seinen Titelhelden. War der junge Goethe von der Historie der Magie, dem „Volksbuch vom Doktor Faustus“, dem alten Puppenspiel „Fausts Verdammnis“ und der Geschichte der in Frankfurt hingerichteten Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt fasziniert, verändert sich sein Interesse im Laufe der Jahre hin zu einem großen Weltentwurf, geprägt von der Industrialisierung, dem neuen Tempo, dem Kult der Geschwindigkeit. Der Stillstand, das Aufgehen im Moment, ist noch Sehnsucht, aber nicht mehr zu erreichen. Es gibt kein Anhalten mehr, die Zeit ist zum Strom geworden, der Moment spielt keine Rolle mehr.

 

Die Theaterpädagogik empfiehlt diese Theaterproduktion für Jugendliche ab 16 Jahren.


 
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