Badisches Staatstheater Karlsruhe

 
Wiederaufnahme am 03.10.2010, OPERNHAUS
COSÌ FAN TUTTE
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Lorenzo Da Ponte

Foto: Jacqueline Krause-Burberg

Musikalische Leitung: Jochem Hochstenbach
Regie: Achim Thorwald
Bühne: Christian Floeren
Kostüme: Doris Hersmann

Standen in den vergangenen Spielzeiten Mozarts „Figaro“ und „Don Giovanni“ auf dem Programm, so vollendet das Badische Staatstheater Karlsruhe die Trias der fulminanten Da Ponte-Opern nun mit Mozarts „Così fan tutte“, einer Oper, die die Frage nach Liebe und Treue zu ihrem zentralen Thema macht und ein weiteres Mal auf höchst amüsante Weise zeigt, dass der Realisierung hoher moralischer Werte im Alltag durchaus ihre Grenzen gesetzt sind. Während der zynisch-abgeklärte Don Alfonso grundsätzlich jede Frau für wankelmütig hält, sind die beiden jungen Männer Ferrando und Guglielmo felsenfest von der Treue ihrer Bräute überzeugt. Man lässt sich auf eine Wette ein, in deren Folge die beiden Männer in Verkleidung die Braut des jeweils anderen umwerben… mit Erfolg, wie sich bald herausstellt, denn widersetzen sich die beiden Damen auch anfangs vehement, so gewinnen sie doch recht bald Spaß an der Sache und lassen sich auf das Spiel mit dem beziehungsweise den Fremden ein.
In kongenialer Weise ergänzen sich in dieser Oper Libretto und Musik, ist letztere doch nicht reine Begleitung, sondern illustriert gerade das, was im Text zwischen den Zeilen zu lesen ist. Hört man auf die Stimmen der beiden Paare, so erkennt man schnell, dass der Partnertausch die Paare vereint, die ihrem Wesen nach eigentlich zusammen gehören: Während sich die ach so tugendhafte Fiordiligi und der idealistische Ferrando im künstlichen Tonfall der opera seria finden, lässt sich die temperamentvolle Dorabella doch recht bald vom eher lebenszugewandten Guglielmo bezirzen und kommuniziert mit ihm in der leichten musikalischen Sprache der opera buffa. Äußerst kunstvoll setzt Mozart Opernkonvention und Handlung zueinander in Kontrast, um das Wesen der Figuren zu hinterfragen, denn wer hielte Fiordiligis große „Felsen-Arie“, in der sie ihre Treue in barocker Manier bezeugt, in der herrschenden Situation nicht für ein wenig übertrieben, oder wer würde in Kenntnis der weiteren Handlung (oder des Lebens?) nicht über Dorabellas rasenden Ausbruch in ihrer großen Arie sanft lächeln, wirkt er doch eher hysterisch denn schmerzhaft. Zusätzlichen Witz erhält die Oper durch das Wirken der Intriganten Don Alfonso und Despina, die sich des kompletten Instrumentariums der Commedia dell’arte bedienen: Verkleidung jeglicher Art, Spiel im Spiel…
Mozarts Oper will nicht die menschliche Unzulänglichkeit anprangern, sondern stellt sie vielmehr mit großer Sympathie, Lebenskenntnis und ungeheurem Spielwitz dar. Ob die Paare sich zur Mozart-Zeit oder heute treffen, ist dabei völlig bedeutungslos, denn die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Intrigen, Irrungen und Wirrungen sind von absolut zeitloser Bedeutung und machen das Werk damals so aktuell wie heute.


 
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