Badisches Staatstheater Karlsruhe

Schauspiel
Wiederaufnahme am 07.10.2010, INSEL
MICHAEL KOHLHAAS
von Heinrich von Kleist
Marc-Philipp Kochendörfer
Foto: Jochen Klenk
"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. Dieser außerordentliche Mann würde bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können.Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder."
So beginnt Kleists Erzählung aus dem Jahr 1810, an deren Ende Michael Kohlhaas für erlittenes Unrecht entschädigt und für verübtes Unrecht geköpft und damit die aus den Rudern gelaufene moralische und juristische Ordnung wiederhergestellt wird. Abweichend von seinemhistorischen Vorbild trägt Kohlhaas bei Kleist den Vornamen Michael, was in seinem hebräischen Ursprung bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Die Karlsruher Inszenierung stellt diese Frage post mortem. Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Kann es eine Frage der Schadenssumme sein, wann das Private politisch wird?

 
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