Badisches Staatstheater Karlsruhe

 
Wiederaufnahme / Galavorstellung am 02.10.2010, OPERNHAUS
OTELLO
Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi
Text von Arrigo Boito, nach Shakespeares Tragödie "Othello, The Moor of Venice"

DIE HANDLUNG SPIELT am Ende des 15. Jahrhunderts auf Zypern. Die Insel galt als der entscheidende abendländische Vorposten zur Verteidigung des Mittelmeerbereiches gegen den Ansturm der Türken. Otello, ein Farbiger, ist Befehlshaber der venezianischen Flotte und Statthalter auf Zypern. Seine Frau, Desdemona, Tochter eines venezianischen Senatoren, folgte Otello, den sie bewundert, gegen den Willen ihres Vaters. ZU BEGINN DER Oper ist Otello - nach siegreichem Kampf gegen die Türken - mit seinem Schiff in ein schweres Unwetter geraten. Das Volk von Zypern fleht um seine Errettung. Als Otello glücklich den Hafen erreicht, wird er jubelnd begrüßt. Nur der Fähnrich Jago und der Venezianer Rodrigo hätten ihn lieber untergehen sehen: Jago hasst Otello, weil dieser den jüngeren Cassio und nicht ihn zum Hauptmann ernannt hat. Rodrigos Aversion gegen den "schwarzen" Feldherrn beruht auf seiner hoffnungslosen Liebe zu Desdemona. Jago beschließt, sich für die Demütigung zu rächen und benutzt Rodrigo und Cassio für seinen Racheplan...

VERDIS "OTELLO" (uraufgeführt am 5. Februar 1887 an der Mailänder Scala) demonstriert die Abgründigkeit des Wesens "Mensch" in tiefstem und schrecklichstem Sinn. Otello ist die Geschichte einer Selbstzerstörung. Ein heroischer, schlichter Charakter wird mit dem Gift des Zweifels und des Misstrauens infiziert. Es wirkt in seinem Blut, zerrüttet, zerfrisst sein Wesen, zerstört seinen Glauben an die Liebe und lässt ihn schließlich die Geliebte und sich selbst vernichten. Immer, auch von Verdi, ist Otellos Schwärze symbolisch verstanden worden, so wie Thomas Mann sie analysiert hat: "Ein Mann, edel und leidenschaftlich, aber auf irgendeine Weise gezeichnet unter den Regelrechten... Einsam..., sehr stolz als ein Mann der Leistung, aber voller Misstrauen in sein menschliches Teil und ohne Glauben daran, dass man ihn lieben könnte... Er ist kein Typus mehr, er ist ein Sinnbild, ein Symbol."

NEBEN IHM ABER steht Jago, die Verkörperung der satanischen Lust am Zerstören. Seine Einflüsterungen, die Untreue Desdemonas betreffend, lassen Otello zu einem Rasenden werden, der schlussendlich das Liebste, was er hat, ermordet... auslöscht.

JAGO IST DER "Held" der Oper. Er bestimmt ihr dramatisches Geschehen. Seine Sprache ist das Rezitativ. Es ist das musikalische Medium seiner Erfindungen und Einflüsterungen, seiner hingeworfenen, wie Pfeile zugespitzten Bemerkungen, seiner Stiche und Peitschenhiebe. "Jago ist das extremste Beispiel für das, was ein Mensch vermag. Das Geheul Otellos, das Sterben Desdemonas, die Demütigungen und Leiden der anderen - die sind sein Gewinn." (Ingeborg Bachmann)

MIT DER WAHL eines der beunruhigendsten psychologischen Dramen der gesamten Theaterliteratur reagierte Verdi auf die veränderten Wertmaßstäbe um ihn herum. Die Zeit des Kampfes um große Ideale war vorbei. Es war nun der Moment gekommen, die Abgründe der menschlichen Seele zu erforschen. "Otello", das Ergebnis dieser Suche, gilt noch heute als eines der modernsten und erschütterndsten Dramen des Opernrepertoires.


 
Änderungen vorbehalten!
Nach oben