Badisches Staatstheater Karlsruhe

 
Premiere A am 15.10.2010, OPERNHAUS
SAMSON UND DALILA
Oper in drei Akten und vier Bildern von Camille Saint-Saëns
Text von Ferdinand Lemaire, nach dem Libretto von Voltaire
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

In Camille Saint-Saëns’ Oper „Samson und Dalila“ wird ein monumentaler biblischer Bilderbogen zu einem Zeitstück von höchster psychologischer Brisanz und Aktualität. Saint-Saëns konzipierte das Werk zunächst als Oratorium, doch entschied er sich letztendlich zu dessen Realisierung in Form eines musiktheatralischen Werkes. Zu stark ist doch der innere dramatische Gehalt des alttestamentarischen Textes.

Der Komponist entnimmt die Handlung dem 16. Kapitel des Buches der Richter: Das Volk der Hebräer beklagt, von den Philistern unterjocht, sein Los. Samson, der Hoffnungsträger der Hebräer, dem bereits vor seiner Geburt eine Mission prophezeit worden war, ruft sein Volk zum Widerstand gegen die Herrschenden auf. Es kommt zum Aufstand, den die Hebräer für sich entscheiden. Als die Philisterin Dalila mit ihren Begleiterinnen die siegreichen Soldaten empfängt, ist Samson auf der Stelle von ihr fasziniert. Dalila weiß dies auszunutzen: Sie verführt ihn und lockt ihn damit in eine Falle. Als es ihr gelingt, ihm das Geheimnis seiner Stärke zu entlocken, ist er ihr ausgeliefert. Dalila lässt ihn festnehmen und ins Gefängnis werfen. Als Samson im Tempel zur Schau gestellt und von der Menge verspottet wird, bittet er Gott um Hilfe, der ihm ein letztes Mal seine frühere Kraft verleiht, mit deren Hilfe er den Tempel zum Einsturz bringt.

Betrachtet man die biblische Erzählung vor dem Hintergrund der heutigen Zeitgeschichte, so tritt einem natürlich sofort der stetig schwelende Nahost-Konflikt vor Augen, dessen Wurzeln in biblischen Zeiten liegen, doch ist die Geschichte um Samson und Dalila weit komplexer, als dass sie auf diesen Aspekt reduziert werden sollte. Jenseits der Zugehörigkeit der Figuren zu konkreten ethnischen Gruppen stellt dieses Werk die Frage nach Herrschaft und Unterdrückung und deren Hintergründen, nach Auflehnung gegen die Unterjochung und nach Freiheitskampf, nach materieller und militärischer Überlegenheit und zeigt die menschlichen Verfehlungen, die aus diesem Problemfeld entstehen: Täuschung, Instrumentalisierung von Emotionen sowie wahllose Gewalt im zwischenmenschlichen wie gesellschaftlichen Kontext. Für den Star-Tenor José Cura geht mit der Karlsruher Produktion ein Traum in Erfüllung: Er singt den Samson, eine Rolle, mit der er weltweit Erfolge feierte, zum ersten Mal in seiner eigenen Inszenierung.

Musikalische Leitung: Jochem Hochstenbach • Regie und Ausstattung: José Cura • Chor: Ulrich Wagner


 
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